7 Tipps für den Verkauf von Mehrfamilienhäusern in der Schweiz

Der Verkauf eines Mehrfamilienhauses (MFH) ist komplexer als der Verkauf eines Einfamilienhauses. Die Käuferschaft besteht hauptsächlich aus Investoren, die knallhart rechnen. Wir zeigen sieben Profi-Tipps, wie Sie Ihr MFH optimal verkaufen.

Warum ist MFH-Verkauf anders?

Bei Mehrfamilienhäusern geht es nicht um Emotionen, sondern um Rendite. Käufer sind meist:

  • Privatinvestoren (Vermögensanlage)
  • Immobilienfonds
  • Pensionskassen
  • Professionelle Anleger

Diese Käufer bewerten nach Ertragswert, nicht nach Emotionen.

Die entscheidende Kennzahl: Bruttorendite

Formel: (Jährliche Mieteinnahmen / Kaufpreis) × 100

Beispiel:

  • Kaufpreis: 2’500’000 CHF
  • Jährliche Mieteinnahmen: 120’000 CHF
  • Bruttorendite: (120’000 / 2’500’000) × 100 = 4,8%

Marktübliche Renditen in der Schweiz:

  • Städte (Zürich, Genf, Basel): 3,5-4,5%
  • Regionale Zentren (Luzern, Winterthur): 4-5%
  • Ländliche Gebiete: 5-6%

Je höher die Rendite, desto attraktiver für Käufer. Aber: Hohe Rendite bedeutet oft höheres Risiko (schlechtere Lage, älteres Objekt).

Tipp 1: Professionelle Ertragswert-Berechnung durchführen

Bei MFH ist die Bewertung nach Ertragswert die Standardmethode – nicht die hedonische Bewertung.

Was ist Ertragswert?

Der Ertragswert berechnet den Wert basierend auf den zukünftigen Erträgen (Mieten) der Immobilie.

Vereinfachte Formel: Ertragswert = (Nettojahresertrag / Kapitalisierungszinssatz) + Landwert

Schritt-für-Schritt-Berechnung

1. Bruttoertrag ermitteln:

  • Summe aller Jahresmieten
  • Beispiel: 5 Wohnungen à 24’000 CHF = 120’000 CHF

2. Nettojahresertrag berechnen:

  • Bruttoertrag minus Leerstandsrisiko (ca. 3-5%)
  • Minus Bewirtschaftungskosten (15-25% des Bruttoertrags)

Beispiel:

  • Bruttoertrag: 120’000 CHF
  • Leerstandsrisiko (3%): -3’600 CHF
  • Bewirtschaftungskosten (20%): -24’000 CHF
  • Nettojahresertrag: 92’400 CHF

3. Kapitalisierungszinssatz festlegen:

  • Abhängig von Lage, Zustand, Risiko
  • Städte: 3,5-4,5%
  • Land: 5-6%
  • Beispiel: 4%

4. Ertragswert berechnen:

  • 92’400 CHF / 0,04 = 2’310’000 CHF
  • Plus Landwert (z.B. 200’000 CHF)
  • Ertragswert: 2’510’000 CHF

Warum professionelle Bewertung wichtig ist

Investoren rechnen selbst nach und erkennen überhöhte Preise sofort. Eine professionelle Bewertung gibt Ihnen:

  • Realistische Preisvorstellung
  • Argumentationsgrundlage gegenüber Käufern
  • Glaubwürdigkeit

Kosten: 2’000-5’000 CHF für Experten-Gutachten (lohnt sich bei MFH ab 2 Mio. CHF).

Tipp 2: Mieterstruktur optimieren vor dem Verkauf

Die Mieterstruktur beeinflusst den Wert erheblich. Käufer bevorzugen stabile, langfristige Mieter.

Ideale Mieterstruktur

Langfristige Mietverträge: Mieter seit mehreren Jahren

Zahlungsmoral: Keine Mietrückstände

Marktgerechte Mieten: Mieten nahe am Marktpreis (nicht zu niedrig, nicht zu hoch)

Geringe Fluktuation: Stabile Mieterschaft

Problematische Situationen

Leer stehende Wohnungen: Mindern Wert erheblich (Käufer muss selbst vermieten)

Mietrückstände: Signal für Probleme

Unter Marktwert vermietete Wohnungen: Investoren sehen Ertragspotenzial, aber auch Konfliktpotenzial bei Mieterhöhungen

Mieter mit Kündigungsschutz: Eigenbedarfskündigung schwierig

Was können Sie tun?

6-12 Monate vor Verkauf:

  1. Leer stehende Wohnungen vermieten (notfalls etwas unter Marktpreis für schnelle Vermietung)
  2. Mietrückstände einfordern oder notfalls Mieter kündigen
  3. Marktmieten prüfen: Sind Ihre Mieten aktuell? (Achtung: Mietrecht beachten!)
  4. Mietverträge auf Ordnung prüfen (aktuell, vollständig, rechtsgültig)

Beispiel: MFH mit 5 Wohnungen, eine steht leer seit 6 Monaten (24’000 CHF Jahresmiete).

  • Wert mit Leerstand: 2’400’000 CHF (Käufer kalkuliert Leerstandsrisiko ein)
  • Wert voll vermietet: 2’510’000 CHF
  • Differenz: 110’000 CHF

Selbst wenn Sie die letzte Wohnung etwas günstiger vermieten (22’000 CHF statt 24’000 CHF), gewinnen Sie beim Verkauf deutlich mehr.

Tipp 3: Dokumentation der Mieteinnahmen und Kosten

Investoren wollen Zahlen sehen. Je transparenter und vollständiger Ihre Dokumentation, desto höher das Vertrauen.

Welche Unterlagen brauchen Sie?

Pflicht-Dokumente:

Mietverträge (alle aktuellen Mieter)

Mietzins-Übersicht (letzte 3 Jahre)

Nebenkostenabrechnungen (letzte 3 Jahre)

Bewirtschaftungskosten (Hauswart, Verwaltung, Reparaturen, Versicherungen)

Steuer- und Gebührenbelege

Grundbuchauszug

✅ Grundrisse aller Wohnungen

Zusätzlich wertvoll:

Leerstands-Historie (Wie oft/lange Wohnungen leer?)

Investitions-Historie (Renovierungen, Sanierungen)

Energieausweis (GEAK, Minergie-Zertifikat falls vorhanden)

✅ Baupläne, Baubewilligungen

Unterhaltsplan (Was wurde gemacht, was steht an?)

Professionelle Aufbereitung

Erstellen Sie eine Investor-Mappe mit:

  1. Executive Summary (1-2 Seiten Objekt-Überblick)
  2. Lage-Analyse (Quartier, Infrastruktur, Entwicklung)
  3. Objekt-Details (Baujahr, Zustand, Wohnungen)
  4. Finanz-Übersicht (Ertragswert-Rechnung, Rendite)
  5. Dokumenten-Anhang (alle oben genannten Unterlagen)

Wirkung: Professionelle Dokumentation signalisiert Seriosität und beschleunigt Due-Diligence-Prozess.

Tipp 4: Zielgruppe Investoren richtig ansprechen

MFH-Käufer sind andere Menschen als Eigenheimkäufer. Das Marketing muss angepasst sein.

Was Investoren interessiert

❌ Nicht wichtig:

  • Emotionale Beschreibungen („traumhaft“, „idyllisch“)
  • Lifestyle-Aspekte
  • Individuelle Ausstattungsdetails

✅ Wichtig:

  • Zahlen, Zahlen, Zahlen (Rendite, Cashflow, Kosten)
  • Lage und Entwicklungspotenzial
  • Zustand und Unterhaltskosten
  • Mieterpotenzial und Fluktuation
  • Steuerliche Aspekte

Wie Sie Investoren erreichen

Online-Portale:

  • ImmoScout24 (Kategorie „Renditeliegenschaften“)
  • Homegate (Mehrfamilienhäuser)
  • Spezialisierte Investoren-Plattformen

Netzwerk:

  • Immobilienmakler mit Investoren-Netzwerk
  • Lokale Anlegergruppen
  • Treuhänder und Finanzberater (haben oft Klienten, die Immobilien suchen)

Inserat-Gestaltung:

  • Titel: „Renditestarkes 5-Familienhaus in Luzern – 4,8% Bruttorendite“
  • Beschreibung: Fokus auf Zahlen (Mieten, Rendite, Kosten)
  • Fotos: Aussenansicht, Grundrisse, eventuell 1-2 Wohnungsbeispiele
  • Dokumente: Ertragswert-Berechnung als PDF zum Download

Beispiel-Inserat (Ausschnitt)

„5-Familienhaus in Luzern-Littau – Stabile Rendite 4,8%“

Eckdaten:

  • Kaufpreis: CHF 2’490’000
  • Bruttorendite: 4,8%
  • Nettorendite: 3,7%
  • Grundstückfläche: 680 m²
  • Baujahr: 1985, gepflegt
  • 5 Wohnungen: 2×3,5 Zi., 3×4,5 Zi.
  • Jahresmiete: CHF 119’400
  • Alle Wohnungen vermietet, geringe Fluktuation

Lage: Ruhige Quartierstrasse, 8 Min. zum Bahnhof, gute Infrastruktur, beliebte Wohngegend

[Ertragswert-Berechnung als PDF] [Objektdokumentation]

Tipp 5: Verkauf mit oder ohne Mieter? Die strategische Frage

Bei MFH haben Sie die Wahl: Verkauf mit bestehenden Mietern oder nach Leerräumung.

Verkauf mit Mietern (Standard)

Vorteile:

✅ Sofortiger Cashflow für Käufer

✅ Beweis, dass Objekt vermietbar ist

✅ Höherer Preis (Ertragswert basiert auf tatsächlichen Mieten)

✅ Schnellerer Verkauf

Nachteile für Käufer:

❌ Mieter müssen übernommen werden (keine freie Wahl)

❌ Eigennutzung schwierig (Kündigungsschutz)

Verkauf leer (Ausnahme)

Vorteile für Käufer:

✅ Freie Wahl neuer Mieter

✅ Eigennutzung einzelner Wohnungen möglich

✅ Modernisierung ohne Mieter-Konflikte

Nachteile:

❌ Niedrigerer Preis (kein Ertrag, höheres Risiko)

❌ Längere Vermarktungszeit

❌ Käufer muss selbst vermieten

❌ Leerstandskosten (Heizung, Nebenkosten)

Wann macht Leerverkauf Sinn?

  • Luxus-MFH (Käufer will hochwertig renovieren und neu vermieten)
  • Stark renovierungsbedürftig (Käufer ist Investor/Entwickler)
  • Problematische Mieter (Mietrückstände, Konflikte)

Faustregel: In 90% der Fälle ist Verkauf mit Mietern besser.

Rechtliche Aspekte

Wichtig: Mietverträge gehen automatisch auf Käufer über (Art. 261 OR). Sie können Mieter nicht einfach kündigen, um leer zu verkaufen. Ausnahme: Einvernehmliche Auflösung mit Abfindung.

Tipp 6: Steuerliche Besonderheiten bei MFH beachten

MFH-Verkäufe haben steuerliche Spezialitäten, die Sie kennen sollten.

Grundstückgewinnsteuer

Wie bei allen Immobilien fällig, aber bei MFH oft höher (grössere Gewinne).

Optimierung:

  • Besitzdauer beachten (Rabatte)
  • Wertvermehrende Investitionen dokumentieren (Renovierungen)
  • Verkaufskosten absetzen (Makler, Notar)

Mehrwertsteuer-Pflicht?

In der Regel keine Mehrwertsteuer auf Wohnimmobilien. Aber:

Mehrwertsteuerpflichtig wird MFH-Verkauf bei:

  • Verkäufer ist mehrwertsteuerpflichtig (Unternehmen, gewerblicher Händler)
  • Objekt wurde innerhalb 5 Jahren umfassend renoviert (>50% des Wertes)
  • Käufer verzichtet auf Mehrwertsteuer-Befreiung (Option bei gewerblicher Nutzung)

Tipp: Klären Sie mit Steuerberater, ob Ihr Verkauf mehrwertsteuerpflichtig ist.

Steuerliche Optimierung Käuferseite (Verkaufsargument)

Informieren Sie potenzielle Käufer über steuerliche Vorteile:

Abschreibungen: Gebäude kann abgeschrieben werden (ca. 2-3% pro Jahr)

Unterhaltskosten: Voll absetzbar

Hypothekarzinsen: Voll absetzbar

Vermögenssteuern: Schulden reduzieren steuerbares Vermögen

Beispiel-Rechnung für Käufer:

  • Kaufpreis: 2’500’000 CHF
  • Hypothek: 1’800’000 CHF (72%)
  • Abschreibung Gebäude (2%): 40’000 CHF/Jahr
  • Hypothekarzinsen (2%): 36’000 CHF/Jahr
  • Unterhaltskosten: 20’000 CHF/Jahr
  • Steuerliche Abzüge: 96’000 CHF/Jahr

Bei Grenzsteuersatz 30%: Steuerersparnis ca. 29’000 CHF/Jahr.

Tipp 7: Professionellen Makler mit MFH-Erfahrung einschalten

MFH-Verkäufe sind komplex. Ein spezialisierter Makler ist fast immer die Investition wert.

Warum MFH-Spezialist?

Was MFH-Makler anders machen:

✅ Kennen Investoren-Netzwerk persönlich

✅ Können Ertragswert-Berechnungen professionell durchführen

✅ Sprechen die „Investoren-Sprache“ (Rendite, Cashflow, ROI)

✅ Kennen steuerliche und rechtliche Fallstricke

✅ Verhandeln auf Augenhöhe mit professionellen Käufern

Normale Makler vs. MFH-Spezialist:

  • Normaler Makler: Fokus auf Emotionen, Lifestyle, Eigenheimkäufer
  • MFH-Spezialist: Fokus auf Zahlen, Rendite, Investoren

Kosten vs. Nutzen

Maklerkosten:

  • 2-3% des Verkaufspreises
  • Bei 2’500’000 CHF: 50’000-75’000 CHF

Mehrerlös durch Makler:

  • Professionelle Bewertung: +2-3%
  • Grössere Käufer-Reichweite: +2-3%
  • Bessere Verhandlung: +2-4%
  • Total: +6-10% = 150’000-250’000 CHF

Netto-Gewinn: 75’000-175’000 CHF trotz Provision.

Wie finden Sie den richtigen Makler?

✅ Referenzen prüfen (Hat er MFH schon verkauft?)

✅ Investoren-Netzwerk vorhanden?

✅ Kenntnis von Ertragswert-Berechnungen?

✅ Lokale Marktkenntnisse?

✅ Transparente Preisvorstellung (realistisch)?

Warnsignal: Makler verspricht unrealistisch hohen Preis (will nur Auftrag bekommen).

Bonus-Tipp: Timing beim MFH-Verkauf

Auch bei MFH gibt es bessere und schlechtere Verkaufszeitpunkte.

Gute Zeitpunkte

Zinsen niedrig: Investoren können günstiger finanzieren

Vollvermietung: Alle Wohnungen besetzt

Nach Renovierung: Objekt in gutem Zustand

Steuerlich optimal: Rabattstufe erreicht

Schlechte Zeitpunkte

❌ Hohe Leerstände

Grosse Renovierungen stehen an (Käufer rechnet Kosten ein)

❌ Mietrückstände oder Konflikte

Zinsen steigen stark (Nachfrage sinkt)

Zusammenfassung: Die 7 MFH-Verkaufstipps

  1. Professionelle Ertragswert-Berechnung (nicht hedonische Bewertung)
  2. Mieterstruktur optimieren (Vollvermietung, stabile Mieter, marktgerechte Mieten)
  3. Lückenlose Dokumentation (Mietverträge, Kosten, Erträge, Unterlagen)
  4. Investoren-Marketing (Zahlen statt Emotionen, richtige Kanäle)
  5. Mit Mietern verkaufen (Standard, höherer Preis)
  6. Steuerliche Aspekte beachten (Grundstückgewinnsteuer, eventuell MWST)
  7. MFH-Spezialist einschalten (Makler mit Investoren-Netzwerk)

Wichtigste Erkenntnis: MFH-Verkauf ist ein B2B-Geschäft (Business to Business), kein B2C (Business to Consumer). Käufer sind Profis, die knallhart rechnen. Nur mit professioneller Vorbereitung und Präsentation erzielen Sie Höchstpreise.

Rendite-Regel: Jede 0,1% mehr Bruttorendite macht Ihr Objekt für Investoren deutlich attraktiver. Optimieren Sie Ihre Mieten und minimieren Sie Leerstände – das ist Ihr grösster Hebel.